Die besten Künstleracrylfarben

Ein Bericht von Franz-Josef Bettag

Gibt es die eine allerbeste Acrylfarbe? Es gibt einige Künstleracrylfarben, die in Sachen Pigmentierung, Deckkraft und Nachdunkeln herausragen und ohne große Vorbehalte empfohlen werden können. Sie besitzen eine sehr gute Qualität, Unterschiede gibt es vor allen Dingen im Preis, der Farbkonsistenz und in der Vermalbarkeit. Unsere kleine Übersicht orientiert sich an der Verfügbarkeit im deutschen Fachhandel und an unseren persönlichen Erfahrungen mit den seit jahrzehnten bewährten Marken.


Eine außerordentlich gute Farbqualität bietet die Primacryl – Finest Artists`Acrylic von Schmincke. Sie ist pastos eingestellt und dunkelt beim trocknen kaum sichtbar nach. Die Farbe lässt sich pastos aber auch lasierend auftragen und trocknet fast ohne Schwund elastisch auf. Die Farbpalette umfasst 84 Farbtöne mit 4 und 5 Sterne Lichtechtheit. Das Titanweiß ist das Beste und Deckenste was heute erhältlich ist. Die reine Offenzeit beträgt beim Malen je nach Schichtdicke ca. 4-5 Minuten. Die Farbe ist Made in Germany und zur Zeit mein Favorit.

Der Schweizer Farbenhersteller Lascaux bietet in seinem Sortiment verschiedene Qualitäten an. Zum traditionellen Malen ist aber nur die Lascaux Artist überzeugend, mit der man hervorragende Verschmelzungen und Lasuren erzeugen kann. Die pastose, seidenmatte Künstleracrylfarbe ist in 54 Farbtönen von deckend bis lasierend erhältlich. Mit der angebotenen Farbpalette lassen sich praktisch alle Nuancen ausmischen. Alle Farbtöne trocknen gleichmässig seidenmatt auf und dunkeln kaum nach. Die Offenzeit beträgt ca. 3-5 Minuten, je nach Dichte der Farbe. Lascaux Artist entspricht den amerikanischen ASTM – Standards und kann ebenfalls empfohlen werden.

Die Acrylfarbe von Lukas - Lukas Cryl trocknet sehr schnell (ca. 1-3 Minuten, je nach Schichtdicke und Malgrund) und bildet einen harten unelastischen Film. Sie lässt sich deshalb nur schwer verschmelzen oder ineinander malen. Sie eignet sich besonders gut für Spachteltechniken und deckende, pastose Farbaufträge und weniger für Lasuren und die alla prima Malerei. Das Sortiment umfasst 70 Farbtöne, die sich nicht immer sauber mischen lassen. Obwohl eine deutsche Traditionsmarke, wird die Farbe in England bei Daler Rowney hergestellt.

Liquitex Heavy Body ist sehr geschmeidig und dunkelt so gut wie nicht nach. Das bewirkt die Verwendung eines glasklaren Acrylats, welches relativ schnell trocknet und nicht reißt. Die Konsistenz ist buttrig und geschmeidig in der Zusammensetzung. Die 100 verschiedenen Farbtöne sind auf den amerikanischen Kunden zugeschnitten und kommen teilweise sehr bunt daher. Die Offenzeit beträgt 2-4 Minuten. Die amerikanische Qualitäts-Marke wird seit Jahren für den EU Markt in Frankreich in Lizenz hergestellt.

Die Professionel Acrylic von Winsor & Newton ist ebenfalls eine Acrylfarbe für höchste Ansprüche und zeichnet sich durch eine hohe Farbbrillanz aus. Das Sortiment umfasst 80 Farbtöne, davon sind 69 Einzellpigmentfarben, die sich untereinander gut mischen lassen. Sie kann für Pastose-, aber auch für Lasurtechniken verwendet weden. Die reine Offenzeit beträgt je nach Malgrund zwischen 4-5 Minuten. Obwohl Winsor & Newton in der Werbung offiziell als eine englische Traditionsmarke verkauft wird, man also glaubt, die Farbe wird in England produziert, wird die Acrylfarbe tatsächlich seit einigen Jahren in Frankreich hergestellt.

Golden Artists Acrylic Heavy Body
bietet eine weiche und homogene Konsistenz. Die reinen Pigmente werden in einer 100-prozentigen Acrylemulsion angemischt. Die Acrylfarben von Golden enthalten keine Füll- und Verlängerungsstoffe, opazitätserhöhende Mittel, Toner oder Farbstoffe. Jede Farbe wird in Abhängigkeit von den Pigmenteigenschaften anders zubereitet. Sie lässt sich pastos aber auch lasierend auftragen und trocknet in einem glatten festen Film. Die Offenzeit beträgt 2-4 Minuten, je nach Malgrund und dicke der Farbschicht. Die Farbe wird ausschließlich in den USA hergestellt und entspricht zu 100 Prozent den amerikanischen Standards ASTM (American Society for Testing and Materials) D4236 in bezug auf Giftigkeit und Sicherheit, und ihre gute Lichtbeständigkeit enspricht der ASTM-Norm D5098. Uneingeschränkt empfehlenswert!

Seit einiger Zeit wird Golden Open als Ersatz für Ölfarbe angeboten. Die Farbe ist nicht schlecht und besitzt auch eine extrem lange Offenzeit, aber einem Anfänger möchte ich sie nicht unbedingt empfehlen. Zwar bleibt die Farbe auf dem Malträger recht lange vermalbar, lässt sich aber nach dem Trocknen mit Wasser wieder anlösen. Direkte Lasuren sind so nicht möglich. Die Farbschichten vermischen sich und schmieren, weil man die Durchtrocknung nicht steuern kann, ist die Farbe nur für die alla prima Technik geeignet und deshalb Profikünstlern vorbehalten.


Der französische Traditionshersteller Sennelier bietet mit seiner Acrylfarbe eine geschmeidige und homogene Konsistenz und die kräftigen, leuchtenden Farben sind für Künstler bestimmt, die mit ein- und derselben Farbe unterschiedliche Ergebnisse erzielen möchten. Es werden Pigmente bester Qualität ausgewählt, damit ein Maximum an Reinheit und Klarheit bei den Farbtönen erreicht wird. Mit 120 Farbnuancen bietet Sennelier eine recht große Auswahl an Farben an, unter anderem vier Interferenzfarben, sowie 6 irisierende Farben. Die Konsistenz der Farbe entspricht einer buttrigen Paste, sie ist kremig, geschmeidig und Pinselstriche oder Messerspuren bleiben sichtbar. Eine Veränderung der Farbwiedergabe nach dem Trocknen ist nur sehr gering erkennbar und bei einigen Grundfarben gar nicht vorhanden. Die Farben erfüllen die Anforderungen des amerikanischen Standards ASTM (American Society for Testing and Materials) D4236 in bezug auf Giftigkeit und Sicherheit, und ihre gute Lichtbeständigkeit enspricht der ASTM-Norm D5098.

Selbstverständlich gibt es auf dem deutschen Markt noch weitere Künstleracrylfarben, wie z. B. von Daler Rowney, Kreul, Vallejo, Royal Talens oder Maimeri, aber zum einen sind die Sorten nicht immer uneingeschränkt verfügbar und zum anderen ist auch nicht immer Künstlerqualität drinnen.

Weltweit gibt es 178 verschiedene Marken für Acrylfarben. Allerdings stellen einige Hersteller auch Marken für andere Anbieter, wie z. B. die Eigenmarken der Versandhändler her.

Ich selbst verwende für meine eigene künstlerische Arbeit hauptsächlich die Schmincke Primacryl Finest Artists` Acrylic, die W&N Professional Acrylic und Liquitex Heavy Body. Es gibt aber auch einige Tuben Lascaux Artist und das Weiß von Golden Acrylic in meinem Farbkasten. Wer sich hochwertige Künstqualität nicht leisten kann, dem empfehle ich die Schmincke Akademie Acryl Color oder die Galeria Acrylic von Winsor & Newton.
Optimal für Anfänger sind 60 ml Tuben, denn je größer das Gebinde, desto schneller trocknen die Farben ein und werden schlecht. So manches Schnäppchen im 1 oder 5 Liter Eimer hat sich dann schnell als Mogelpackung herausgestellt und vergammelt im Keller. Prinzipiell lasse ich die Finger von den Eigenmarken der Versandhändler oder von Farben, die nachweislich nicht in Europa oder USA hergestellt wurden. Bei den Versandhändlern vermisse ich die Transparenz, wo werden die Eigenmarken hergestellt und vor allen Dingen was ist in welchen Mengen drinnen? Denn die Acrylfarbe für den professionellen Großverbraucher hat nicht immer die Eigenschaften, die man sich wünscht.


Testergebnisse


60 ml Tuben der besten Marken


Haltbarkeit

Wie lange hält Acrylfarbe?
Angebrochene Tuben oder Flaschen, die gut verschlossen und kühl gelagert werden, halten in der Regel je nach Hersteller und Qualität zwischen 2-5 Jahre. Danach werden die Farben zäh, gummiartig und trocknen relativ schnell ein. Ich habe aber auch Farbtuben, die sind schon über 10 Jahre alt und immer noch brauchbar. Liegen die Tuben lange in warmer Umgebung, trocknen sie bereits nach 1-2 Jahren merklich an. Meistens merkt der Käufer nicht, dass die Farbe bereits verdorben ist und wundert sich über die schlechte Vermalbarkeit. Ist eine Tube wirklich neu abgefüllt, gut verschlossen und zwischen 4 und 8 Monaten gelagert, kann sie bei weiterer kühler Lagerung (9-15 Grad) 5-7 Jahre gebrauchsfähig bleiben. Ich habe festgestellt, dass Frost oder Hitze der Acrylfarbe nicht guttut. Bereits neue Tuben können beim Transport im Winter Schaden leiden, denn unter 0 Grad gefriert das Wasser in der Farbe und trennt sich vom Acrylat und Pigment. Im Sommer kann es beim Transport richtig heiß im LKW werden, dann verdunstet das Wasser in den Kunststoffflaschen und -Tuben und die Farbe wird gummiartig. Deshalb bestelle ich bei den Versandhändlern nur noch im Frühling oder Herbst. Optimal wäre es, wenn man die Tuben direkt vom Hersteller bekäme, aber das ist leider Wunschdenken.Acrylfarbe sollte man bitte nicht in den Kühlschrank stellen, durch die Kälte wird dem Acrylat das Wasser entzogen und die Farbe verliert ihre Vermaleigenschaften. Besser ist ein kühler dunkler Raum!


Achten Sie darauf, dass die Tuben und Flaschen immer gut verschlossen sind. Es darf keine Flüssigkeit (Wasseranteil) entweichen, sonst werden die Farben zäh. Aus diesem Grund sind auch Metalltuben besser als Kunststofftuben – oder flaschen.

Warum Künstlerqualität besser ist.

Früher, ganz früher als ich vor über 40 Jahren ins Studium ging, gab es nur Künstlerqualität. Da musste man nicht lange suchen oder herum testen, es gab nur eine Qualität und 3-4 Hersteller. Da machte man auch keinen Unterschied zwischen Hobby und Profi. Wers billig haben wollte, der konnte im Farbenfachhandel auf sog. Dispersionsfarben zurückgreifen. Auch ich habe mangels finanzieller Mittel manchmal mit den Anstreichfarben gemalt.
Heute gibt es Acrylfarben in vielen verschiedenen Qualitäten, von Basics-, Studien-, Akademie – bis hin zu Künstlerfarben. Und genau das macht die Wahl der richtigen Farbe so schwierig. Was soll ich für meine Zwecke kaufen und reicht da nicht die Studienqualität für meine ersten Malversuche?
Nun hat nicht jeder die Möglichkeit mehrere Sorten ausführlich zu testen und muss sich dann auf das Urteil eines Verkäufers verlassen oder er hat schon mal von der ein oder anderen Sorte gehört. Es soll ja Leute geben, die schwärmen von einer Marke, obwohl sie noch nie was anderes benutzt haben.







Damit Sie sich ein Bild von den Qualitäten machen können habe ich einen kleinen Testaufstrich gemacht. Er zeigt Ihnen wie einfach man die Unterschiede erkennen kann. Ich habe Kadmiumgelb und Titanweiß gewählt, weil man diese Farbtöne nicht zusammenpanschen kann.

Im ersten Aufstrich sehen sie links das Kadmiumgelb einer Billigfarbe. Bei der Billigmarke aus China scheint bei der Lasur der schwarze Hintergrund deutlich durch. Auch der pastose Auftrag bleibt eher transparent und Stumpf. Im Gegensatz dazu die Künstlerqualitäten von Liquitex, Winsor und Newton, Schmincke, Lascaux, Sennelier und Daler. Bei Ihnen ist der Farbauftrag kräftiger und leuchtender, und trotzdem kann man auch hier noch feine Unterschiede erkennen. Bei Sennelier und Daler kommt auch bei der Lasur die Farbe fast deckend und bei Daler ist ein Unterschied zwischen Lasur und Pastos kaum vorhanden. Der Pinselstrich flacht ab! In beiden Marken werden wahrscheinlich zu viele Füll- und Deckstoffe eingesetzt, was sie für die Lasur unbrauchbar macht. Leider trocknen Lukas und Daler viel zu schnell. Die Farbe ist schon nach 1-2 Minuten hart. Auch auf der Palette – trotz Benetzung mit Wasser – wird sie schon nach 10 – 20 Minuten zäh. Obwohl beide Marken in Sachen Pigmentierung und Deckkraft sehr gut abschneiden, bekommen sie wegen der viel zu schnellen Trockung nur 4 Punkte.



Beim Titanweiß sind die Unterschiede noch eindeutiger, links wieder die Billigmarke, dann Galeria von W & N, die schon deckender ist und dann die Künstlermarken. Das kräftigste Titanweiß hat Schmincke Finest Artists Acrylic und schlägt alle anderen Marken um Längen. Mischt man Kadmiumgelb und Titanweiß zusammen sollte in der Regel eine deckende Farbe herauskommen. Mit der Schmincke Finest Artists Acrylic ist das kein Problem, aber bei der Billigmarke zeigen sich deutlich die Schwächen. Vergleicht man Billigmarke mit der Künstlerqualität, dann sieht man sehr schön wo die Unterschiede liegen und warum Künstlerqualität immer die bessere Wahl, auch für einen Anfänger ist.
Billigmarken lassen sich durch die schlechte Pigmentierung, das milchige Acrylat und die vielen Zusatzstoffe nicht wirklich steuern, da sie stark nachdunkeln und nicht decken. Von sauberen Mischungen untereinander will ich gar nicht reden.



>> Sind Acrylfarben gesundheitsschädlich?

>> Was ist Acrylfarbe


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