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Gesundheitsgefahr?

Ist Acrylfarbe gefährlich?

Eine Betrachtung von Franz-Josef Bettag

Es gibt immer wieder Diskussionen die Panik machen und andere die das Thema verharmlosen. Wer nun Recht hat und wer nicht kann man wohl nur sehr schwer sagen, aber der Umgang mit Farben im allgemeinen ist bestimmten Regeln unterworfen. Und diese Regeln oder nennen wir es doch besser Vorsichtsmaßnahmen werden leider all zu oft missachtet. Leider äußern sich die Hersteller der Farben bisher wenig oder gar nicht dazu und auch andere Stellen, wie z. B. der Fachhandel, halten sich da lieber bedeckt. Sind Acrylfarben nun gefährlich oder nicht oder ist es alles nur reine Hysterie von wenigen Leuten, die sich wichtig machen wollen. Ich möchte die gesundheitlichen Risiken weder verharmlosen noch überbewerten, sondern einfach mal aufzeigen, was Acrylfarbe ist und weshalb es zu Problemen kommen kann.

Grundsätzlich behauptet man in der Szene, dass Acrylfarbe vollkommen ungefährlich ist. Sie ist wasserbasierend und wird ja auch für den schulischen und therapeutischen Bereich angeboten. Und die EU würde in diesem Bereich ja keine giftigen Stoffe zulassen. Das ist nur bedingt richtig, gilt aber nicht für Künstler- oder Hobbyfarben die meistens die zugelassenen Höchstmengen unterschreiten und deshalb nicht Kennzeichnungspflichtig sind.
Zur Konservierung und Desinfektion werden Fungizide, Biozide, Additive, Formaldehyd und andere Mikrobiozide Wirkstoffe beigemischt. Da aber niemand weiß, wie der Einzelne auf die verschiedenen Stoffe in den Farben reagiert, kann auch niemand mit Sicherheit die Auswirkungen kennen.

Keine Frage, Acrylfarbe ist wie jede andere Farbe auch pure Chemie. Werden wir den nicht ständig mit Schadstoffen belastet? Da macht das bisschen Chemie in der Acrylfarbe auch nichts aus! Diese Meinung kann ich nicht teilen, da ich selbst betroffen war und bin. Ich möchte wissen mit was ich arbeite und ob es für mich gefährlich ist oder nicht. Mir ist bewusst, dass übertriebene Vorsicht genauso wenig angebracht ist, wie Panikmache.
In den vergangenen Jahren konnte ich erleben, wie viele befreundete Künstler krank wurden. Sie haben sich über Jahrzehnten allen möglichen chemischen Stoffen ausgesetzt. Die meisten wussten gar nicht, mit was sie da gearbeitet haben und noch heute arbeiten.
Ich kann mit Sicherheit sagen, dass es immer der sorglose Umgang mit der Farbe oder den Lösemitteln war, der krank gemacht hat.
Irgendwann kam dann die Acrylfarbe ins Spiel, die wegen ihrer wasserlöslichkeit und dem dezenten Geruch schnell als harmlos empfunden wurde. Auch heute noch werben einige Hersteller damit.
Der neueste Trend - Acrylfarbe in Spraydosen! Wasserbasierend, wenig Geruch und deshalb viel Freiheit. Was bedeutet aber diese Aussage? Sie suggeriert dem Anwender „ungefährlich“.
Benutzt er die Spraydose ohne spezielle Atemmaske ist er der Chemie hilflos ausgesetzt. Er atmet nicht nur die Acrylfarbe als feinen Nebel ein, sondern auch die Fungizide, Additive, Biozide und das Treibmittel. Da sind die Dämpfe aus den Acrylfarben aus der Tube ein reiner Witz.
Was passiert aber, wenn man versucht, die Leute auf die Gefahren anzusprechen, versucht mit den Herstellern zu reden? Ich wurde nicht nur einmal angefeindet, auch von Kollegen/innen, denen ihre Geschäftsidee wichtiger war, als die Gesundheit ihrer Schüler oder Kunden.
Kennt man die Materie, dann weiß man wie die Farbsysteme zusammengesetzt sind. Ich arbeite schon über 40 Jahre mit Acrylfarbe und sehe das Problem aber erst seit ca. 10 Jahren.
Zum ersten Mal fiel mir in einem Kurs mit 12 Teilnehmern auf, dass diese über Übelkeit und Kopfschmerzen klagten. Es wurden viele unterschiedliche Marken verwendet und besonders aus den 750 ml Flaschen eines deutschen Versandhändlers roch es sehr intensiv. Da ich ähnliche Symptome hatte, machte ich mir doch ein paar Gedanken.
Aber kommen die Symptome wirklich von den Farben oder hat es andere Ursachen? Früher, also ganz früher, vor 30 Jahren wurden Acrylfarben relativ schnell schlecht. Heute halten die Farben 4-8 Jahre ohne zu schimmeln oder faul zu werden.
Damit Acrylfarben nicht schlecht werden und lange halten, muss man verschiedene chemische Mittel beimischen. Und genau auf diese Mittelchen können empfindliche Menschen reagieren, können müssen aber nicht! Es gibt verschiedene Ursachen und Wirkungen, die sich durchaus negativ auf die Gesundheit auswirken können.
Eine Gesundheitsgefahr muss nicht unbedingt bestehen, wenn man sich an ein paar einfache Regeln im Umgang mit Farbe im allgemeinen und im besonderen mit Acrylfarbe hält.
Leider muss ich immer wieder feststellen, dass gerade Künstler diese Verhaltensregeln nicht beachten und deshalb nachhaltig krank werden oder aber ihre Schüler krank machen.
Aber auch der Hobby- und Freizeitkünstler geht entweder aus Unkenntnis oder aus Geiz sorglos mit den Farben um. Man kauft gerne Sonderangebote und schafft sich so ein Sortiment von verschiedenen Herstellern und Qualitäten. Chemiker wissen, wenn man die Farben verschiedener Hersteller zusammen mixt, werden chemische Effekte erzeugt, die so nicht gedacht waren. Es entstehen Dämpfe die man einatmet, oder über die Haut aufnimmt. Wie diese chemischen Verbindungen im menschlichen Körper reagieren und was sie anstellen weiß bis heute kaum jemand.
Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass sich die wenigsten Kursteilnehmer an die Materialvorgaben halten und gerne preiswert alles einkaufen, was der Markt hergibt. Die 750 ml Flasche für 6.50 Euro ist doch ein Schnäppchen gegenüber der 60 ml Tube Primacryl von Schmincke für 9,50 Euro. Eine Kursteilnehmerin sagte mir einmal, dass sie doch nicht verrückt sei, die von mir empfohlene Artist von Lascaux – 45 ml Tube für 12 Euro zu kaufen, wenn sie eine 750 ml Flasche einer Billigmarke für genau den selben Preis bekomme.

Welche chemische Zusammensetzung hat Acrylfarbe ?
In Acrylfarbe stecken, Farbpigmente, Bindemittel, Verdünnung (meist gewöhnliches Wasser) und verschiedene Zusätze und Additive, die in einer Tube oder Flasche je nach Hersteller in unterschiedlichen Mengen vorhanden sind. Man geht heute davon aus, dass bestimmte Mengen der Chemikalien unbedenklich sind und deshalb auch nicht Kennzeichnungspflichtig. Andere wiederum werden sicherheitshalber deklariert, weil sie schon in kleinster Dosis zu allergischen Reaktionen führen können.

In einer guten Künstleracrylfarbe ist wenig Wasser und viel Pigment und Acrylat als Bindemittel.

In einer billigen Acrylfarbe ist viel Wasser, wenig Pigment und wenig Bindemittel, aber eine Menge Chemie um daraus eine brauchbare Farbe zu machen.

Weshalb mischt die Industrie den Acrylfarben Konservierungsstoffe bei?
Acryl- oder Dispersionsfarben auf wässriger Basis unterliegen dem mikrobiologischen Abbau und verderben recht schnell. Schimmel und Fäulnis sind die Folge. Schimmel kann in hohen Dosen zu schweren Vergiftungen führen und Fäulnisbakterien bei kranken Menschen tödlich enden.

Damit kein Schimmel oder Fäulnis entsteht und um eine langfristige Haltbarkeit zu gewährleisten, werden deshalb allen Acrylfarben Konservierungsstoffe beigemischt.

Damit sich das Pigment mit dem Acrylat (Bindemittel) und dem Wasser (Verdünner) verbindet und vermalt werden kann, muss man wissen, dass nicht alle Pigmente wasserlöslich sind oder chemisch mit Wasser reagieren. Das Acrylat wird aus einer Säure hergestellt, die in geringen Mengen noch vorhanden ist. Organische und anorganische Pigmente können damit reagieren und chemische Prozesse freisetzen. Um das Gemisch dauerhaft zu verbinden, greift man zu unterschiedlichen Zusätzen und Additiven, die allerdings nicht immer deklariert werden müssen, weil sie unterhalb der Grenzwerte liegen.

Deshalb wird man wohl nie vollständig erfahren welche Inhaltsstoffe tatsächlich in einer Acrylfarbe drinnen sind. Einige Hersteller geben Datenblätter heraus, aber auch dort kann man nur das Wesentliche herauslesen. Für empfindliche Menschen und Allergiker keine wirkliche Hilfe und recht unbefriedigend.


Problematisch sind die Konservierungsstoffe, die die Farbe über einen längeren Zeitraum haltbar machen sollen. Als Konservierungsmittel werden 1,2-Benzisothiazol-3(2H)-one, 2-Met- hyl-2H-isothiazol-3-one, 5-chloro-2-methyl-4-isothiazolin-3-one und andere Stoffe, wie z. B. Formaldehyd beigemischt. Sie sind auch in Kosmetik und Haushaltsreinigern zu finden. Von diesem Inhaltsstoffen weiß man heute, dass sie allergische Reaktionen auslösen können und zwar schon in kleinsten Mengen. Vollständig erforscht sind aber die Wirkungen nicht. In einigen Studien spricht man auch von Leber- und Nierenschädigungen, wenn man diesen Stoffen längere Zeit ausgesetzt ist. Wir wissen heute, dass ein wiederholter Kontakt mit Acrylfarbe zu spröder oder rissiger Haut führen kann, und dies ermöglicht das Eindringen der Chemikalien in den Blutkreislauf. Bei Benzisothiazolinone, Chlormethylisothiazolinone und Methylisothiazolinone weiß man mit Sicherheit, dass sie schon in kleinsten Mengen zu Hautausschlägen, Mundtrockenheit, Augenreizungen, Reizungen der Atemwege bis hin zu Schwindelanfallen und Kopfschmerzen führen können.

Methylisothiazolinon hat eine mikrobizide Wirkung und wird als Konservierungsmittel in Kosmetika, in Haushalts- und Industriereinigern, in der Wasserbehandlung, in Schmiermitteln, Dispersionsfarben, Lacken, Klebstoffen und in der Papierherstellung eingesetzt. Oft werden Mischungen mit Chlormethylisothiazolinon (CMIT) oder Benzisothiazolinon verwendet. *
Als Biozid kommen sie meistens in einem Gemisch aus einer chlorierten und einer nicht chlorierten Verbindung im Verhältnis 3 : 1 der Komponenten 5-Chlor-2-methyl-2,3-dihydroisothiazol-3-on (MCI) und 2-Me- thyl-2,3-dihydroisothiazol-3-on (MI) zur Anwendung.
In Kosmetika kann das Gemisch von Methylisothiazolinon und Chlormethylisothiazolinon zu Allergien führen. Rund 2 % der Bevölkerung reagiert auf diese Inhaltsstoffe stark allergisch. Auch beim Aufenthalt in frisch gestrichenen Räumen mit Dispersionsfarben und Lacken können Allergien auftreten.*
Isothiazolone werden häufig in Dispersionsfarben als Konservierungsstoff eingesetzt. Aufgrund ihres allergenen Potenzials ist diese Anwendung jedoch nicht unproblematisch, da sie bei Innenraum-Anwendungen auch noch nach dem Trocknungsprozess in die Raumluft freigesetzt werden. Sensibilisierte Menschen können mit Allergien und Hautekzemen reagieren.*

Nach dem derzeitigen Wissensstand ist die akute und chronische Toxizität der beigemischten Stoffe nicht gänzlich bekannt und deshalb kann auch kein Mensch sagen, was bei einer Langzeitanwendung passiert, denn sie sind in Wasser, Methanol, Ethanol und niederen organischen Säuren leicht löslich und können deshalb auch schnell im Körper aufgenommen werden.

Aufgrund ihrer starken bakteriziden und fungiziden Wirkung können Isothiazolone in sehr geringen Konzentrationen eingesetzt werden und sind in einer breiten Palette von Produkten zu finden, darunter Kosmetika, Dispersionsfarben (Acrylfarben), Befeuchterwasser von Klimaanlagen, wässrige Sanierlösungen und Flüssig- und Tubenwaschmittel.
Zur akuten Toxizität von Isothiazolonen wurden Untersuchungen an Raten und Kanninchen durchgeführt. Die Gefahrstoffverordnung stuft deshalb MCI/MI ein als giftig beim Verschlucken und bei Berührung mit der Haut (R24 und 25), als sehr giftig bei der Aufnahme über die Atemwege (R26) und als stark haut- und schleimhautreizend ein.
Zur Beurteilung der chronischen Toxizität existieren nur unzureichende Daten. Die meisten Studien am Tier untersuchen dermale und orale Aufnahmepfade, wahrscheinlich aufgrund der Verwendung von Isothiazolonen in Kosmetika bzw. Materialien der Lebensmittelverpackung. Beim Verstreichen von Dispersionsfarben (Acrylfarben) ist jedoch vor allem mit einer Belastung der Luft zu rechnen, da Isothiazolone beim Trocknen der Farbe in die Raumluft gelangen. Eine 90-tägige Inhalations-Studie von Ratten ist bisher die einzige Untersuchung zu diesem Thema. *
Über die Wirkung beim Menschen weiß man bisher lediglich, dass Hautreizungen, juckende Ausschläge, Dermitis und Akzeme im Gesicht oder an den Händen entstehen können. Brennende und juckende Augen, sowie Mundtrockenheit oder Reizungen der Schleimhäute wurden ebenfalls festgestellt (Quelle Wikipedia).

Meine persönlichen Erfahrungen?
Zwei Dinge sind mir immer wieder aufgefallen; Mit Künstleracrylfarben aus den Tuben konnte ich problemlos arbeiten und die billigen, wässrigen (liquide Mischung) die in Kunststoffflaschen oder Kunststofftuben angeboten werden, bekam ich immer wieder gesundheitliche Probleme.
Trockene Augen und Nasenbluten, Kopfschmerzen und Schwindel kommen bei Künstlern, die mit den Billigmarken arbeiten regelmäßig vor. Je größer das Bildformat, desto häufiger die Symptome, die aber allzu oft auch gerne ignoriert werden.
Eine Künstlerin berichtete mir, dass sie Probleme mit dem Gedächtnis habe, wenn sie lange mit Acrylfarbe malt. Eine andere klagt regelmäßig über Schwindelanfälle. In vielen Kursen konnte ich beobachten, dass immer wieder über Schwindel oder Kopfschmerzen geklagt wurde.
Jedesmal konnte ich herausfiltern, dass alle die über gesundheitliche Probleme klagten sehr gerne viel Acrylfarbe und von vielen verschiedenen Herstellern auch die Billigmarken zusammenmischten. Viele dieser Farben rochen auch sehr intensiv, auch noch nach Tagen, wenn sie auf dem Bild vermalt waren. In den meisten Ateliers und Malschulen kam einem schon beim Türöffnen ein komischer übler Geruch entgegen.
Aber woran lag das?
Ein Chemiker eines deutschen Künstlerfarbenherstellers sagte mir einmal, dass es generell Unterschiede bei den Zusammensetzungen der preiswerten und teuren Produkte gäbe und zwar ganz besonders bei Tubenfarben im Vergleich zu den billigen, meist in Kunststoffbehältern verpackten Farben. Der Kunststoff ist weder licht- noch sauerstoffdicht und dadurch würden die Farben gegenüber Metalltuben schneller schlecht. Durch den Sauerstoff und die Lichteinwirkung würden Bakterien und Pilze, die im Wasser vorhanden sind schneller ansetzen und sich ausbreiten. Außerdem würde in den billigen Farben wesentlich mehr Wasser eingesetzt als in den teuren. Aus diesem Grund müssten die Hersteller bei Verpackungen aus Kunststoff mehr Konservierungsstoffe beimischen um die Farbe lange haltbar zu machen. Es gibt Fachhändler bei denen würden die Farben sehr lange im Regal liegen und die Farben sollen in dieser Zeit nicht verderben.
Ich kann nicht mit Sicherheit sagen ob das stimmt, aber wenn man mal den Geruchstest macht, dann riechen Tubenfarben anders als die in den großen Kunststoffgebinden.
Machen Sie doch einmal selbst den Test, riechen Sie an den Flaschen der Billigmarken und dann an einer Tube der Künstleracrylfarbe eines Markenherstellers. Ich meine, da gibt es schon Unterschiede.

Der richtige Umgang mit Acrylfarbe.
Aus meiner langen Erfahrung und Leidensgeschichte weiß ich, wie ich mit Farbe umgehen muss und welche Farbe ich verwenden kann und welche nicht.
Seit langem verwende ich prinzipiell nur noch Künstleracrylfarben der Markenhersteller (Die besten Künstleracrylfarben) und auch nur noch Farben aus der Tube. Farben in Plastikeimern oder -Flaschen oder – Tuben meide ich. Spachtelmassen, Effektpasten und Malmittel, die teilweise noch größere Konzentrationen der erwähnten Stoffe beinhalten, verwende ich schon lange nicht mehr.
Bei der Arbeit achte ich darauf, dass ich nur kleinste Mengen an Farbe auf die Palette drücke. Lieber mal nachlegen als zu viel auf der Palette haben, denn Künstleracrylfarbe ist teuer, trocknet relativ schnell an und wird auf der Palette zäh, deshalb macht es wirtschaftlich wenig Sinn, die Farbe zu verschwenden.
Es ist immer eine Frage der Qualität der Farbe und der Menge (Dosis) die man verwendet und wie und wo man sie verwendet. Große Formate brauchen viel Farbe, viele Kursteilnehmer mit großen Formaten brauchen noch mehr Farbe und beim Trocknen verteilen sich dann die Stoffe in der Raumluft. Den Raum gut lüften hilft nur bedingt, denn die Stoffe verdunsten kontinuierlich über Tage aus der Farbschicht.
Ich rate deshalb die fertigen Bilder grundsätzlich in einen nicht benutzten Raum zu stellen. Eine Garage oder der Keller können solche Räume sein, die anschließend gut belüftet werden können.
Auch mich hat manchmal die Ungeduld gepackt und ich fing an die Farben mit dem Haartrockner (Föhn) schneller zu trocknen. Die Dämpfe habe ich direkt eingeatmet und mich gewundert, wenn ich abends mit Kopfschmerzen und Hautausschlägen aus dem Atelier kam. Heute mache ich das nicht mehr und kann es auch keinem raten.
Ich kenne Künstler, die arbeiten sehr exzessiv mit allen möglichen Farben und Lacken und verschmieren darüber hinaus die Acrylfarbe mit den Händen großflächig auf der Leinwand. Ich kann das niemand verbieten, aber mit Sicherheit ist das nicht gesund.

Es gibt Regeln, die den Umgang mit der Farbe erleichtern und vor gesundheitlichen Problemen schützen. Solange man sich an die Regeln hält, muss man nichts befürchten. Wer die Regeln missachtet und allzu leichtsinnig mit den Farben umgeht, muss mit den Folgen leben.
Das ist so ähnlich wie wenn man Auto ohne funktionierende Bremsen fährt und sich wundert wenn man an die Wand knallt. Solange man keine anderen Menschen gefährdet, bleibt das an einem selbst hängen, problematisch wird’s immer, wenn andere beteiligt sind. Deshalb gibt es im Straßenverkehr Regeln. Vernünftige Menschen kennen die Regeln und fahren auf Nummer sicher! Genauso ist es beim Umgang mit Farben.
Wer nur ab und zu mal ein Bild malt und sich an die Regeln hält, der braucht sich keine großen Gedanken machen. Wer allerdings regelmäßig und exzessiv malt, der sollte sein Verhalten überdenken und ein paar Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.
Wer leichtsinnig in Farbe badet oder die Dämpfe oder Sprühnebel einatmet, der darf sich eben nicht wundern, wenn er früher oder später krank wird.
Und noch etwas! Acrylfarbe sollte nicht im Kindergarten oder in der Schule bei Kindern unter 6 Jahren ohne Aufsicht eingesetzt werden. Für Kleinkinder ist die Farbe mit Sicherheit nicht geeignet. Auch Bodypainting (Babybauch anmalen!) für Laien ist nicht zu empfehlen.
Prinzipiell sollte man sich immer schützen und verschmutzte Hände gründlich waschen, gut lüften und Farben verwenden, die zertifiziert sind (US - Label für zertifizierte Farben und Künstlermaterial. Conform to ASTM D 4236 garantiert US Mindeststandarts). Spraydosen oder Airbrush im Kunstunterricht gehen gar nicht!

Acrylfarbe ist wie jede andere Farbe auch, reine Chemie. Die Wasserlöslichkeit gaukelt dem Anwender eine gewisse Ungefährlichkeit vor, er wägt sich im Glauben, er könne unbedenklich damit umgehen.
Das Problem liegt aber nicht bei der Farbe selbst, sondern beim Anwender und den Marketingabteilungen einiger Hersteller, die Acrylfarbe in all ihren Varianten als unbedenkliches Spielzeug verkaufen.
Der Markt ist voll gestopft von „gepanschter“ Acrylfarbe, oder wie ich es nenne „Acrylsoße“, die mit Künstlerqualität und Malerei nichts am Hut hat. Selbst im Baumarkt werden bessere Anstreichfarben verkauft.

Ob eine Gesundheitsgefahr von Acrylfarbe ausgeht oder nicht, hängt im wesentlichen von Ihnen selbst ab. Sie können die Regeln missachten, billige und somit belastete Farben kaufen und Techniken einsetzen, die Schadstoffe freisetzen.

Wenn Sie gerne zu Sprühfarbe in Dosen, Malmitteln, Sprühlacken und Effektpasten und die Farbe gerne exzessiv in großen Mengen verwenden, dann müssen Sie mit Sicherheit früher oder später mit gesundheitlichen Problemen rechnen.

Sie können sich aber auch an die Regeln halten,
hochwertige Künstlerqualität und somit schadstoffarme Farben kaufen und Techniken verwenden, die keine Schadstoffe freisetzen oder auf ein Minimum reduzieren.

Wenn man die Sache genau betrachtet, dann muss niemand auf das Malen mit Acrylfarben verzichten. Es geht immer um die Ursache und die Wirkung die man auslöst. Aus diesem Grund liegt es alleine an Ihnen, wie Sie mit der Farbe umgehen und was Sie daraus machen.

Vorsichtsmaßnahmen beim Malen mit Acrylfarben

• Nur so viel Farbe aus der Tube drücken wie man tatsächlich benötigt.
• Tuben und Behälter gut verschließen.
• Pinsel immer mal wieder gründlich mit Kernseife auswaschen.
• 2 Wasserbehälter verwenden – Einer fürs Auswaschen und einer für das Anmischen der Farbe.
• Überschüssige Farbe nicht im offenen Behälter stehen lassen.
• Atelier gut lüften!
• Farbe auf der Haut sofort mit Kernseife abwaschen.
• Niemals mit den Händen malen. Gummihandschuhe verwenden!
• Auf Sauberkeit achten!
• Kinder nicht ohne Aufsicht malen lassen.
• Farbe nicht mit dem Föhn (Heißluftpistole) trocknen oder auf die Heizung legen (Gefahr durch Verdunstung!).
• Leinwand nicht auf den Tisch legen und mit dem Kopf über malen. Besser ist eine Staffelei. Hier können Dämpfe nach oben oder unten abziehen und werden nicht direkt eingeatmet.
• Beim Arbeiten mit den Farben nicht trinken oder essen.
• Übelriechende Farben nicht verwenden und im Fachhandel zurückgeben.
• Nur hochwertige Künstlerfarben einer Marke verwenden.
• Tubenfarben sind besser als Farben in Flaschen oder Eimern.
• Verschiedene Marken nicht zusammenmischen!
• No Name Produkte oder Billigmarken in großen Gebinden meiden. Vor allen Dingen wenn die Herkunft nicht eindeutig geklärt ist.
• Bilder in einem ungenutzten Raum oder Garage trocknen lassen.